Präventive Medizin
 

"Gesundheit ist nicht Alles, aber ohne Gesundheit ist Alles nichts".

Arthur Schopenhauer

Die moderne Medizin hat den präventiven Aspekt bislang stark vernachlässigt. Tradition, Gesundheitssystem, Ausbildung, vielleicht auch Persönlichkeit sind dafür verantwortlich, daß die meisten Ärzte mehr an der Heilung von Krankheiten als an der Erhaltung der Gesundheit interessiert sind. Gesundheit eines Menschen ist der ständige Prozeß um ein dynamisches Gleichgewicht. In den Industrieländern stellen Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten die wichtigsten Variablen für Morbidität und Mortalität dar. Dabei ist die Gesundheit nicht absolut und objektiv, sondern wird von jedem anders erlebt und ist für jeden Menschen lebenswichtig. Hierbei ist die gesunde Lebensführung eine Aufgabe, die es jeden Tag neu zu bewältigen gilt. Jeder Mensch verfügt zur Regulierung der körperlichen und seelischen Harmonie über Selbstheilungskräfte, die er aktiv unterstützen kann. Der ganzheitlich gesunde Lebensweg ist durch eine klare Orientierung zu einer maßvollen, individuell angepaßten Lebensform recht einfach gehbar. Die ausgewogene Kombination von gesunder Ernährung, moderater sportlicher Aktivität, Streßmanagement und Beziehungskultur ermöglicht für jeden "Wellness" und Gesundheit.

Jeder einzelne weiß sehr wohl, daß man Gesundheit erst dann so richtig schätzen lernt, wenn sie abhanden gekommen ist. Wir erleben alle, daß die klassische Medizin trotz aller faszinierender Erfolge in den letzten hundert Jahren auch auf vielen Gebieten an Grenzen gelangt ist, die ein Umdenken erfordern, will man sie überschreiten. Über die Frage allerdings, wie körperliches und seelisches Wohlbefinden zu erhalten sind, wird seit Menschengedenken kontrovers diskutiert. Der Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens sein individuelles, von allen anderen Menschen unterschiedliches Model der Welt, seiner Welt, handelt bewußt und unbewußt entsprechend dieser subjektiven "inneren Landkarte" und richtet sein Verhalten danach aus. Dennoch bleibt die Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten eine fast unverzichtbare Forderung eines natürlichen Entwicklungsprozesses in unserer schnellebigen Zeit. Dies bedeutet jedoch nicht, daß die Ärzte alle Modetrends umsetzen müssen. Gleichwohl müssen wir akzeptieren, daß die biologischen und biopsychischen Steuerungen einen Sinn haben.

Der gesunde Mensch wird mit umfassender Organleistungsfähigkeit geboren, viele haben nach 50 Jahren nur noch ca. 30 Prozent davon. Und das Schlimmste ist: Sie merken den Organverschleiß erst, wenn es zu spät ist! Denn, in unserem inhumanen Medizinsystem kommt der Arzt chronisch zu spät und die meisten medizinischen Einrichtungen arbeiten nur reaktiv, währenddessen für die Prävention ebenso die Zeit fehlt wie für die Nachsorge.

Gleichzeitig macht sich in der Gesellschaft ein Perfektionsanspruch breit. Die moderne Medizin braucht auch gerade deshalb eine neue philosophische Grundlage; es bedarf einer radikalen Veränderung des heutigen medizinischen Selbstverständnisses. Ich bin davon überzeugt, daß die Medizin inzwischen vor einem Paradigmenwechsel steht. Sie wird sich in zunehmendem Maße ihrer eigenen Defizite als bloße Reparatur-Medizin bewußt. Die moderne Medizin ist reich an wissenschaftlichen und technischen Leistungen, aber arm an emotionaler Zuwendung. Die heutige Medizintechnologie ist nahezu zwangsweise auf die körperlichen Symptome des Menschen fixiert und behandelt ihn als Objekt, wobei der Blick auf die gestörte Seelenlandschaft nicht selten gänzlich verstellt bleibt. Daß die iatrotechnische Sicht der sog. Schulmedizin, die den Körper in einzelne, notfalls zu reparierende Organe und Funktionen, zerlegt und darüber das Ganze aus den Augen verliert, schädlich sein kann wird zunehmend vielen bewußt.

Viele Menschen, die alles im Griff haben, wissen nur eines nicht rechtzeitig effizient zu managen - ihren Körper. Wichtig jedoch ist, die Gesundheitsspanne möglichst über das gesamte Leben auszudehnen. Deshalb brauchen Menschen eine kompetente Begleitung in Sachen Gesundheit: individuelles Gewichts- und Gesundheitsmanagement, persönlicher Anti-Aging-Plan, individuelles Streß- und Schlafmanagement, persönlicher Anti-Cancer-Plan. Besonders Menschen im mittleren Alter müssen das Thema Gesundheit aktiv in Angriff nehmen, um ihre Leistungsfähigkeit und behandlungsfreie Lebenszeit zu verlängern.

Das Fundament dafür ist die Triade der Gesundheit: die Einheit von Körper, Geist und Seele. Schon dem griechischen Arzt Hippokrates gelang es mit einer Theorie der Ganzheitlichkeit seine Patienten für die gesundheitliche Eigeninitiative zu sensibilisieren.

Zu den wichtigsten Verhaltensmustern mit Auswirkungen auf die Gesundheit gehören exzessiver Alkoholgenuß, Zigarettenrauchen, Hyperlipidämie begünstigende Eßgewohnheiten, Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität. So sind z.B. alle Risikofaktoren, die Erkrankungen der Koronararterien begünstigen von der Lebensweise ganz oder zumindest teilweise abhängig; zwischen vielen besteht eine Wechselbeziehung.

Grundvoraussetzungen für gute Gesundheit sind u.a.:

  • Psyche Gesunder Geist und gesunder Körper gehören zusammen! Die Gedanken beeinflussen den Körper: was ein Mensch denkt und welche Einstellung er zum Leben hat - all das wirkt sich auf die körperliche Verfassung und auf das Immunsystem aus. 80 Prozent unserer Lebensweise entscheidet sich im Kopf. Manche Lebenskrisen entstehen durch systemische Verstrickungen, die uns zumeist nicht bewußt sind. Dabei kann es private oder berufliche Lebenssituationen geben, in denen es die inneren Gefühle kaum zulassen, einem Konflikt wirklich hilfreich zu begegnen. Krankheit hat immer mit Angst zu tun; immer steht dahinter eine verletzte Seele. Nicht zuletzt deshalb sind mentales und seelisches Training ein Teil der gesunden Lebensführung: Zur Ruhe kommen, auf genußvolle und entspannende Weise den Alltagsstreß loslassen; sich Zeit nehmen, um in wohltuender Aufmerksamkeit sich um seine Bedürfnisse zu kümmern. Sich selbst Zuwendung schenken zum Verwöhnen und Entspannen. "Die beste Medizin für den Menschen ist der Mensch". (Paracelsus) Wie Sie Ärger und Frust abbauen und positives Selbstbewußtsein mit Attraktivität schaffen, können Sie lernen.
  • Ernährung Eßstörungen sind häufig nichts anderes als Ausdruck einer familiären oder beruflichen Problematik. Das Statement "Du bist, was Du ißt" ist mittlerweile gut belegte Realität. Die Beweislast für die enorme Bedeutung der Ernährung im Zusammenhang mit unseren Zivilisationskrankheiten ist inzwischen erdrückend geworden. So kann für viele Krebsarten eine Reduktion des Krankheitsrisikos alleine durch gesunde Ernährung erreicht werden. Eine Rückbesinnung auf den Wert einer Vollwerternährung ist nicht zuletzt deshalb dringend notwendig. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung. Der beste Ansatzpunkt hierfür ist eine Ernährung, die all das enthält, was fit macht: Vitamine, Spurenelemente, Mineralien, Ballaststoffe und viele sekundäre Pflanzenstoffe. Je bunter der Gemüse- und Obstkorb, desto gesünder ist der Inhalt. Auch Getränke spielen eine wichtige Rolle. Die orthomolekulare Regulation sorgt dafür, das wir Multivitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Enzyme aufnehmen.
  • Bewegung Die positive Wirkung von körperlicher Bewegung und Training als Bestandteil der Prävention von degenerativen Erkrankungen und für die Förderung der körperlich-geistigen Entwicklung ist unumstritten. Bei moderater sportlicher Aktivität, wie sie im Gesundheitssport empfohlen wird, konnten eine Verbesserung der NK-Zellfunktion und ein Anstieg des Immunglobulinspiegels gezeigt werden. Es kommt zu Verminderung von oxidativem Streß und folgenden Schäden an der Erbsubstanz.
    Körperliche Aktivierung wird durch physikalische Therapien á la Kneipp, Bewegungstraining, Gymnastik, meditative Übungen erreicht. Dabei können Überwärmung und Sauerstoffzufuhr den Stoffwechsel günstig beeinflussen.

Eine ganzheitliche Therapie bei speziellen Risiken und Beschwerden, Ernährungs- und Gesundheitsberatung, Bewegung und Physiotherapie, Entspannungsübungen wirken in verschiedenen Lebensphasen aufbauend und stabilisierend. Mit ein paar bioaktiven Substanzen dazu läßt sich zum Teil ein ungesunder Lebensstil wettmachen bzw. korrigieren.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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