Besenreiser
 

Mehrere Studien haben gezeigt, dass rund acht Millionen Menschen in Deutschland Krampfadern haben, davon alleine fünf Millionen Frauen und darunter in zunehmender Zahl junge Mädchen ab 14 Jahren. Man unterscheidet verschiedene klinische Formen des Krampfaderleidens und ihre entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Aufbau des Venensystems

Über kleinste Haargefäße (Kapillaren) fliesst das Blut über das venöse Gefässsystem zum Herzen zurück. Feinste venöse Verästelungen (Venolen) vereinigen sich zu kleinen Venen, die sich wiederum zu größeren zusammenschliessen. Beim Venensystem unterscheidet man die oberflächlichen Venen, die direkt unter der Hautoberfläche verlaufen, und die tiefer gelegenen Venen.

Die Wandelastizität der Venen hat einen entscheidenden Einfluss auf die Menge und die Geschwindigkeit des zum Herzen zurückfliessenden Blutes. Bei Verlust dieser Elastizität beulen sich die erschlafften Wände der oberflächlichen Venen aus. In Folge dessen können die Venenklappen den Rückfluss und die Stauung des Blutes nicht mehr verhindern und es entstehen Krampfadern. Das verlangsamt den gesamten Blutfluss. Das Blut versackt in den erweiterten Venen und verursacht weitere Gefässschäden und Komplikationen.

Besenreiser sind eine Art Miniaturkrampfadern, d.h. kleine erweiterte - und dadurch sichtbare - in der obersten Hautschicht verlaufende Venen (intradermale Varizen). Hier unterscheidet man zusätzlich zwischen den sehr oberflächlich gelegenen, feinen roten und den in den tieferen Hautschichten gelegenen, dickeren blauen Besenreisern. Beide Formen bedeuten keine ernsthafte Venenerkrankung und können dennoch – vor allem bei Frauen – ein großes kosmetisches Problem darstellen. Die netzförmigen Krampfadern (retikuläre Varizen) sind gröber und haben einen größeren Durchmesser als Besenreiser.

Restlos konnten die vielfältigen Ursachen venöser Beinerkrankungen bis heute noch nicht geklärt werden. Als Hauptursache für die Venenerkrankungen gilt einmal mehr ein typisches Merkmal unserer modernen Lebensweise: Wir sitzen zu viel! Dadurch kommt es in den Beinvenen zu unnatürlichen Blutflussverhältnissen. Hinzu kommen neben Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht bei Frauen mit zunehmendem Alter auch eine anlage- oder schwangerschaftsbedingte Bindegewebs-schwäche.

Vorbeugung

Durch regelmässige sportliche Aktivität können Sie die Muskelpumpen sowie die Venenklappen stärken. Denn kräftige Muskeln unterstützen den Bluttransport in den Venen. Kalte Güsse oder Beinduschen (von unten nach oben) morgens und abends erhöhen die Spannkraft der erschlafften Venenwände zusätzlich. Abhärtung durch Wechselbäder oder Wassertreten stabilisiert zudem die Gefässwände. Wirkungsvoll ist auch die Trockenbürstenmassage. Zu warme Wannenbäder dagegen weiten die Gefässe und verlangsamen so den Blutfluss.

Legen Sie öfters mal die Beine hoch - auch das entlastet die Venen. Vermeiden Sie das Überkreuzen der Beine beim Sitzen. Achten Sie bei langen Auto- und Flugreisen auf genügend Beinfreiheit und Bewegung. Sie haben Übergewicht? Dann heisst es abnehmen, das reduziert den Venendruck und entlastet die Venenwände. Essen Sie vitaminreich und fettarm.

Verzichten Sie auf Rauchen. Vertreten Sie sich auf jeden Fall täglich zwischendurch immer wieder die Beine, stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und wippen Sie auf und ab. Enge, spitz zulaufende Schuhe mit hohen Absätzen sind Gift für die Venen. Achtung beim Sonnenbad: Die Blutgefässe erweitern sich ebenfalls stark.

Behandlung

Die jeweilige Behandlungsmethode bei Krampfadern ist abhängig von der Art des Leidens. Hier ist die Wirkung der Kompressionstherapie verblüffend einfach: Der Kompressionsstrumpf umgibt das Bein mit so festem Druck, dass die erweiterten Venen eingeengt werden. Dadurch können die Venenklappen wieder schliessen. Der Kompressionsstrumpf muss genau angepasst und gegebenenfalls auch speziell angefertigt werden, damit die nötige Kompressionskraft erzeugt werden kann.

Die bisher übliche und invasive Therapie ist die Verödungsbehandlung (Sklerosierungstherapie). Es wird mit einer feinen Nadel eine spezielle Flüssigkeit in kleinsten Mengen in die erkrankte Vene gespritzt. Dadurch kommt es zu einem dauerhaften Verschluß der Vene. Die danach zu einem Strang verklebte Venenwand baut der Körper mit der Zeit selbständig ab.

Eine Weiterentwicklung in der Hochfrequenztechnik ermöglicht es, störende Hauterscheinungen, wie z. B. Besenreiser oder auch Altersflecken und Warzen dauerhaft und unkompliziert zu beseitigen. Eine elegante Methode der Besenreiserbehandlung stellt die Mikrokoagulation mit einem Hochfrequenzgerät dar. Die Behandlung ist unblutig und im allgemeinen so gut wie schmerzfrei. Die Hautoberfläche kann bei Bedarf vorher mit einer entsprechenden Salbe betäubt werden. Die haarfeine Behandlungselektrode wird schräg im Gefäßverlauf in die Haut eingeführt. Die Spitze der Elektrode befindet sich dabei im Blutgefäß. Durch diese Nadelelektrode wird eine speziell erzeugte Stromform geleitet. Dieser Hochfrequenzstrom mit hoher Anfangsstromentladung ermöglicht eine Feinstkoagulation unter der Hautoberfläche. Es besteht die Möglichkeit einer genauen Einstellung der Stromstärke für die Koagulation kleinster Äderchen. Die störenden Hauterscheinungen lassen sich so wenig invasiv und sehr erfolgreich behandeln. Gelegentlich kommt es lokal zu Reizungen und der Bildung von kleinen Krusten an den Einstichstellen, die aber schnell und spurlos abheilen.

 
vorher
nachher

Als weitere moderne und zwar vielgefragte, aber auch risikoreiche Alternative kommt die Laserbehandlung in Betracht. Dabei wird die Vene mit Hilfe von hochenergetischem Laserlicht mit einer Wellenlänge, die vom Blut aufgenommen wird, verschlossen.

Die Mikrokoagulation eignet sich insbesondere für die Beseitigung von erweiterten Äderchen im Gesicht (Nasenflügel, Wangen, Kinn). Es ist empfehlenswert, die Behandlung von Besenreisern in den Herbst- und Wintermonaten vorzunehmen. Damit ist diese lästige kosmetische Störung für Sie bis zum nächsten Frühling längst vergessen.

 

© 2004, Dr. med. Laitenberger

 
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