Das prämenstruelle Syndrom
 

Das Wohlbefinden vieler Frauen und Mädchen ist oft zyklusabhängig stark beeinträchtigt. In der täglichen Sprechstunde begegnet der Arzt sehr häufig einer Reihe von unspezifischen Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens, die mit dem Ablauf des Menstruationszyklus der Frau in engem Zusammenhang stehen. Die Angaben zur Häufigkeit und Ausprägung der Erscheinungen differieren sehr, da diese von Frauen unterschiedlich toleriert werden. Außerdem fehlt immer noch eine gemeinsame Definition für dieses Krankheitsbild. Verwunderlich ist allerdings, wie selten die Diagnose des sogenannten prämenstruellen Syndroms (PMS) in der Praxis gestellt wird, obwohl dieses Krankheitsbild doch die häufigste Frauenkrankheit darstellen dürfte. Um das zu ändern, müßten die Frauen lernen, die Beeinträchtigungen ihres Befindens vor der Monatsblutung nicht als gottgegeben hinzunehmen, sondern auf die Signale ihres Körpers mehr zu achten und bei entsprechenden Beschwerden den Arzt aufzusuchen. Ausschlaggebend für die Diagnose PMS ist nicht der Charakter der Symptome, sondern das zyklusabhängige Auftreten charakteristischer Beschwerden.

Die Besonderheiten weiblicher Wesensbeeinträchtigung, unter denen viele Frauen und Mädchen unmittelbar vor der Menstruation leiden, waren schon Hippokrates bekannt. Rund 70 bis 90 Prozent aller europäischen Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter leiden unter dem prämenstruellen Syndrom - allerdings in ganz unterschiedlicher Intensität. Das prämenstruelle dysphorische Syndrom mit Stimmungsschwankungen, Angst, Affektlabilität und suizidalem Verhalten, Interessenverlust und körperlichen Beschwerden wie generalisierten Ödemen, Kopfschmerzen, Mastodynie, Dysmenorrhö, Obstipation und Gewichtszunahme im Vordergrund kann sich in jedem Alter von der ersten Menstruation bis zur Menopause manifestieren und tritt ausschließlich während der letzten acht Tage des Menstruationszyklus auf. Viele betroffene Frauen kennen sicherlich den Zusammenhang von persönlich empfundenem Streß und PMS.

Die Ursachen dieses Krankheitsbildes sind nicht einheitlich und bisher noch nicht befriedigend geklärt. Genetische Faktoren, Störungen der Eierstocksfunktion, sowie Belastungen und Probleme im Beruf, in der Familie und der Partnerschaft werden als mögliche Auslöser kontrovers diskutiert. Die Einstellung der Frau zur Monatsblutung ist von großer Bedeutung für das emotionale und körperliche Befinden. Das prämenstruelle Syndrom stellt weder eine Krankheit noch ein einheitliches Syndrom dar, sondern eine inter- und intraindividuell übersteigerte Reaktion einer Frau auf das neuroendokrine Zyklusgeschehen.

Therapie

Therapeutische Ansätze bei PMS reichen von hormonellen über medikamentöse bis hin zu psycho-therapeutischen Behandlungen. Man sollte den Frauen zunächst eine Ernährungsumstellung empfehlen: Einschränkung von Salz, Schokolade, Koffein und Alkohol, dafür mehr Vitamine und Mineralien. Die individuelle, symptombezogene Therapie kann erst nach ausführlicher Anamnese und Erörterung mit dem behandelnden Arzt oft erfolgreich durchgeführt werden.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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