Postmenopausale Hautprobleme
 

Bezüglich des Selbstbildes und der eigenen Attraktivität entwickeln Frauen in der Postmenopause eine verstärkte Sensibilität. Das weibliche Selbstwertgefühl ist viel enger an die körperliche Erscheinung geknüpft als das männliche. Altersbedingte Veränderungen der körperlichen Erscheinung treffen Frauen zentraler; mit der schwindenden Jugend gerät für viele Frauen das Selbstbild oft deshalb stärker ins Wanken. Der mit den Jahren erworbene Gewinn an Lebenserfahrung und Reife wird gesellschaftlich nur selten gewürdigt. In einer Gesellschaft, die die Vitalität und Leistungsfähigkeit der Jugend zum Idealbild erhebt und darüber Attraktivität definiert, ist das Erleben des eigenen Alterns besonders bei Frauen fast zwangsläufig mit "sich abgewertet Fühlen" verbunden.

Daß es zwischen den Sexualhormonen und Hautveränderungen einen Zusammenhang gibt, lehrt uns die Erfahrung. Viele Frauen bemerken meist synchron mit dem Klimakterium auftretende negative Veränderungen des Hautzustandes. Zunehmende Kenntnisse auf dem Gebiet der ästhetischen Endokrinologie bestätigen dies. Medizinisch liegen Kosmetik und Gynäkologie ziemlich nahe beisammen - Stichworte Akne, Haarausfall, Hirsutismus und Hautatrophie in der Postmenopause sowie Funktionsminderung der Schleimhäute in verschiedenen Körperregionen. Die Haut ist ein wesentlicher Faktor im Östrogenmetabolismus des Menschen. Die Umwandlung von Östradiol zu Östron in menschlicher Genitalhaut und die Aromatisierung der Androgene zu Östrogenen im subkutanen Fettgewebe unterstreichen dies.

Zu den vielfältigen Organveränderungen nach Erlöschen der Ovarialfunktion gehören auch Rückbildungsprobleme der Haut und Funktionsminderung der Schleimhäute. In besonderer Weise spiegelt sich der Alterungsprozeß eines Menschen in der Haut wieder. Mehrere Jahre nach der Menopause entwickelt sich bei vielen Frauen ein "hypogonadales Aussehen", charakterisiert durch feine, radial am Mund und Augenwinkel verlaufende Falten. Es entstehen in zunehmendem Maß atrophische Veränderungen mit dünner, trockener, fleckiger Haut, die zudem rauh und leicht verletzlich ist. Dabei ist die Wundheilung mehr und mehr verzögert. Die Haut wirkt "knittrig", verliert an Elastizität und Festigkeit, sie büßt auch weitgehend die Fähigkeit zur Wassereinlagerung ein. Der Zellturgor ist dadurch herabgesetzt. An einer derart veränderten Haut bilden sich sehr leicht Rhagaden aus. Auch chronische UV-Exposition führt über Jahre zu einem komplexen Schaden an den verhornenden Epithelien der Haut, des Kollagens, am Bindegewebe sowie an den dermalen Blutgefäßen. Da auch die Talgproduktion zurückgeht, besteht eine gesteigerte Empfindlickeit gegenüber alkalihaltigen Seifen und anderen Waschmitteln.

Die Rückbildungsphänomene im Mundschleimhautbereich bedeuten verminderte Durchblutung und reduzierten Stoffwechsel. Die Mundschleimhaut wird dünner und trockener. Bei Trägerinnen von Zahnprothesen können sich, bedingt durch den Druck der Prothese, der nicht mehr ausreichend gepuffert wird, Schwierigkeiten mit dem darunter liegenden Zahnfleisch entwickeln. Durch das Östrogendefizit kann es auch zu einem Nachlassen der Bildung von Tränenflüssigkeit mit Trockenheitsgefühl, Juckreiz und Brennen kommen, manchmal sogar begleitet von einer konjunktivalen Infektion. Die nicht mehr tolerierten Kontaktlinsen werden erst nach Östrogensubstitution und deren Proliferations-Effekten wieder wie vor der Menopause vertragen.

Bei der Frau kann durch Änderung der hormonalen Situation sogar ein diffuser Haarausfall einsetzen. Im Bereich des behaarten Kopfes werden die Haarfollikel kleiner, und ihre Gesamtzahl nimmt ab. Daraus resultiert ein Dünnerwerden des einzelnen Haares und eine zunehmende Haarlichtung. Östrogene verlängern die Wachstumsphase des Kopfhaares und wirken somit dem Haarverlust entgegen. Im Bereich des Gesichtes im Wangen- und Oberlippenbereich, des Stammes und der Extremitäten kann sich andererseits ein vermehrter Haarwuchs im Sinne des Hirsutismus entwickeln. Verantwortlich für diese Veränderung ist das Überwiegen der Androgene in der Postmenopause.

Die typischen hypoproliferativen Hautalterungsphänomene bedeuten für viele Frauen eine subjektive und damit eine psychosoziale Belastung. Dieser gilt es rechtzeitig durch Östrogensubstitution zu begegnen. Die positiven Effekte der Östrogentherapie auf diverse Strukturelemente der Haut sind vielschichtig. Die eingetretenen atrophischen Veränderungen sind zum großen Teil reversibel und bilden sich innerhalb von drei Monaten weitgehend zurück. Bis zu 50 Prozent mehr Kollagen in atrophischer Haut ist erreichbar bei halbjährlicher Substitutionsdauer. Die Haut wird schöner und klarer, besser durchblutet und rosiger. Trockenes Spannungsgefühl und Juckreiz hören auf. Die Struktur der Haare verbessert sich.

Bei nahezu allen Erwachsenen über 65 Jahren finden sich gutartige proliferative Wucherungen wie seborrhoische Keratose, Warzen, Fibrome, Altersflecken und Hämangiome, Besenreiser und störender Haarwuchs im Lippenbereich. Oft wird die Belastung durch solche Hauterkrankungen unterschätzt und nicht auf relativ einfache Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen. Durch Entwicklung in der Hochfrequenztechnik ist es jedoch möglich, diese störenden Hauterscheinungen dauerhaft und unkompliziert zu beseitigen, was auch ich in meiner Praxis routinemäßig durchführe.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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