Krebsvorbeugung
 

Vorbeugung spielt neben Diagnostik und teuren Therapien in der gesundheitspolitischen Diskussion nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Und das, obwohl trotz hoher Investitionen durch das Konzept der Krebsfrüherkennung die Krebssterblichkeit nicht gesenkt werden konnte. Im Gegenteil: von 1970 bis 1994 stieg die Todesrate bei Krebs um 6 Prozent an. Die Zahl der Neuerkrankungen an Krebs in Deutschland hat sich im Vergleich zur letzten Schätzung 1995 um rund 5.000 erhöht. Es erkranken etwa 338.000 Menschen jährlich an Krebs, die meisten davon im Alter von über 60 Jahren. Daher müssen neue Wege gegangen werden, um eine echte Krebsvermeidung zu erreichen. "Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichem Wege."

Wenn man die Zahl der Todesfälle durch Krebs senken will, stehen neben Früherkennung die gezielten Präventionsmaßnahmen und die Risikoreduktion an oberster Stelle. Da aber von den 507 Mrd. DM, die heute im Gesundheitswesen jährlich ausgegeben werden, nur 4,6 Mrd. auf die Prävention entfallen, werden die Chancen für die Betroffenen nicht annähernd ausgeschöpft. Ein Umdenken ist auch hier die nötige und richtige Konsequenz.

Ängste sind ein wesentlicher Grund dafür, daß bislang nur etwa ein gutes Drittel der Frauen die Krebsfrüherkennungsuntersuchung wahrnimmt - wer so handelt, riskiert alles. Denn bei den Krebskrankheiten, die Frauen besonders häufig treffen, sind vor allem der Gebärmutterkrebs und der Brustkrebs heilbar, wenn sie so frühzeitig entdeckt werden, daß die wuchernden Zellen noch an der Ausbreitung gehindert werden können. Der Gebärmutterhalskrebs kann sogar durch rechtzeitige Erkennung und Behandlung zunächst oft harmloser Veränderungen, sowie regelmäßige zytologische Untersuchungen ganz vermieden werden, denn ein negativer Suchtest zeigt mit 99,6 prozentiger Sicherheit einen normalen Zustand der Zellen an. So habe ich z B. in meiner Praxis seit Praxiseröffnung im Januar 1984 bis heute bei den von mir betreuten Patientinnen kein einziges Mal die Diagnose Gebärmutterhalskrebs stellen müssen.

Nicht der Tumor allein darf im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sondern die allgemeinen körperlichen Bedingungen des Wirtsorganismus. Der Schlüssel für die Effektivität der Prävention liegt im Immunsystem. Die Stärkung des körpereigenen Regenerations- und Immunsystems ist m.E. einer der wesentlichen ganzheitsmedizinischen Ansätze zur Prophylaxe und Überwindung vieler Erkrankungen. Es wurde in einem Test die Stärke der Immunantwort von Personen zwischen 20 und 100 Jahren überprüft und festgestellt, daß die Intensität der Immunantwort bereits ab dem 40. Lebensjahr schwächer wird. Dabei ist die Fitness unserer Immunzellen entscheidend, ob wir krank werden oder über Jahrzehnte gesund bleiben.

Das menschliche Immunsystem repariert schadhafte Zellen oder vernichtet und entsorgt sie, wenn sie irreparabel sind. Um so wichtiger wird es - vor allem mit zunehmendem Alter - das in der heutigen Zeit immer stärker beanspruchte Immunsystem rechtzeitig zu stützen und zu stärken.

Erst in den letzten Jahren wurde erkannt, daß Reaktionen im Immunsystem große Veränderungen im Organismus hervorrufen können und eine deutliche Korrelation zwischen dem Immunstatus und dem Verlauf einer Tumorerkrankung besteht. Deshalb ist es ein erklärtes Ziel der biologischen Krebsabwehr, den Organismus so zu stärken, daß entartete Zellen durch körpereigene Abwehr abgebaut oder deren krankhafte Vermehrung gehemmt wird. Je kleiner die Tumormasse ist, desto wirksamer kann diese Therapie sein.

Immer mehr Menschen erkennen inzwischen die Bedeutung der Lebensstil-Medizin in der täglichen Praxis. Als solche wird eine übergreifende Medizin, die mehr als nur Symptome und starre Behandlungsansätze umfasst, verstanden. Die modernen Behandlungmöglichkeiten sollten sich - so weit wie medizinisch sinnvoll oder unterstützend - dem individuellen, auch zu verbessernden Lebensstil anpassen. Dies beinhaltet auch die zunehmende Aufhebung einer strikten Trennung zwischen Vorbeugung und Therapie.

Hinter der Ablehnung alternativer Therapien versteckt sich oft Unkenntnis und die Unfähigkeit, sich mit der wirklich gesamten Breite der Medizin auseinander zu setzen.

Um mit einem Zitat zu schließen, möchte ich Goethe zitieren mit den Worten:

Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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