Gesundheitsprophylaxe bei Jugendlichen
 

Junge Mädchen sind besonders in der Pubertät auf verständnisvolle Begleitung angewiesen. "Bin ich normal? Läuft bei mir alles so, wie es soll?" Diese häufig gestellten Fragen zeigen die tiefe Verunsicherung, die Mädchen in der Pubertät verspüren. Einer Störung der Biologie folgt bei jungen Mädchen oft relativ schnell eine Beeinträchtigung der Psyche. Immer schon war Jugend die unruhigste, orientierungsschwierigste Phase des Lebens. Es erscheint mir daher wichtig hier ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die normale seelische Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen - bei dem schwierigen und komplizierten Reifungsprozeß - auch heute noch zu wenig beachtet wird.

Die Ursachen einer verzögerten Pubertät können durch unterschiedliche Formen der Ovarialinsuffizienz, psychogen oder aufgrund einer Störung der Hypothalamus-Funktion bedingt sein. Bei jungen Mädchen, die Leistungssportlerinnen sind, kann es z.B. zu einer Verzögerung der pubertären Reifung kommen. Viele von ihnen entwickeln im Laufe der Zeit Zyklusanomalien, bei denen eine Östrogensubstitution notwendig ist, um der Gefahr von Ermüdungsfrakturen entgegenzuwirken.

Auch die normale Brustentwicklung hat für Mädchen in diesem Alter eine enorme Bedeutung. Noch vorhandene "Impflücken" könnten geschlossen werden. Eine besondere Bedeutung für die spätere reproduktive Gesundheit eines Mädchens hat heute die allgemeine Zunahme von sexuell übertragbaren Krankheiten und Genitalinfektionen. Nur durch eine rechtzeitige und umfassende Aufklärung kann das Risiko einer Ansteckung und zum Teil auch einer späteren Krebserkrankung minimiert bzw. verhindert werden.

Es kann in unserer Gesellschaft nicht Sinn einer Aufklärung von Jugendlichen sein, nur junge Mädchen zu beraten, die erst nach ihrem ersten sexuellen Kontakt Hilfe brauchen, wenn sie bereits schwanger oder schwer erkrankt sind. Das "erste Mal" findet heute tendenziell früher statt als vor einigen Jahren. Fast 40% der 14- bis 17-jährigen Mädchen haben bereits Geschlechtsverkehr gehabt und waren somit den Risiken einer schweren Infektion (Aids, Hepatitis, Herpes, Chlamydien usw.) ausgesetzt. Sexuell übertragbare Krankheiten und genitale Entzündungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen und werden mit einer Epidemie verglichen. In den USA erkranken jährlich über 1 Million Menschen an Genitalentzündungen wobei 20% davon Teenager sind. Das bedeutet umgerechnet ca. 70.000 neue Fälle sexuell übertragbarer Erkrankungen bei Teenagern in Deutschland jährlich.


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Ein Besuch beim Frauenarzt ist für ein junges Mädchen durchaus nicht mit einem Kontrollbesuch beim Kinderarzt oder beim Hausarzt vergleichbar. Der erste Besuch beim Frauenarzt kann deshalb vom Arzt und von den Erziehenden nicht ernst genug genommen werden. Durch das Angebot einer fest etablierten Jugendsprechstunde ohne Voranmeldung steht es den Mädchen frei, wann immer sie möchten mit ihrem Anliegen die Teenager-Sprechstunde - auch mit Begleitung - zum Informationsgespräch aufzusuchen.
 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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