Immuntherapie
 

Zu allen Zeiten und weltweit waren Menschen immer schon bestrebt lange zu leben und dabei möglichst jung und gesund zu bleiben. Bei der Entstehung chronischer Erkrankungen wirken familiäre Belastungen, Organvorschädigungen, physische Risikofaktoren und psychosozialer Streß zusammen. Chronische Erkrankungen beruhen im allgemeinen auf einem Komplex von Ursachen und sind deshalb nicht mit kurzzeitigen therapeutischen Maßnahmen oder zeitlich begrenzten Kuranwendungen in den Griff zu bekommen. Die Immunstimulation, die Steigerung der körpereigenen zellulären und humoralen Abwehrreaktionen gegen eindringende Noxen, ist dabei ein besonders interessantes und wichtiges, wenn nicht das wichtigste Thema. Die Stärkung des körpereigenen Regenerations- und Immunsystems ist m.E. einer der wesentlichen ganzheitsmedizinischen Ansätze zur Prophylaxe und Überwindung von vielen Erkrankungen.

Das Ziel der Immunantwort eines Individuums ist die Elimination von körperfremden Substanzen (Antigenen). Es wurde in einem speziellen Test wissenschaftlich die Stärke der Immunantwort von Personen zwischen 20 und 100 Jahren überprüft und festgestellt, daß die Intensität der Immunantwort bereits ab dem 40. Lebensjahr schwächer wurde. Dabei ist die Fitneß unserer Immunzellen entscheidend, ob wir krank werden oder über Jahrzehnte gesund bleiben. An dieser Stelle können Störungen der immunologischen Abwehr zu vielfältigen klinischen Symptomen führen.

Eine effiziente Immunabwehr bedarf unbedingt des geregelten Zusammenwirkens verschiedener Zellpopulationen des Immunapparates. Das menschliche Immunsystem ist tolerant, d. h. nichtreaktiv gegenüber körpereigenen Strukturen. Aber es repariert auch schadhafte Zellen oder vernichtet und entsorgt sie, wenn sie irreparabel sind. Spezifische Bindungsstrukturen auf der Oberfläche von Lymphozyten erkennen jedoch das Fremdantigen und lösen erst dann Abwehrreaktionen aus. Die sog. Killerzellen spielen vor allem bei der Abwehr von Viren und mutierten (malignen) Körperzellen eine wichtige Rolle. Die Beziehung zwischen der genetischen Konstitution eines Menschen und dessen Fähigkeit zur spezifischen Immunantwort ist bekannt. Ein echtes Immundefizit mit Ausfall von Abwehrmechanismen durch fehlende oder eingeschränkte Funktion von Einzelkomponenten des Immunsystems besteht jedoch selten; meist ist die Immunabwehr nur vorübergehend beeinträchtigt. Zahlreiche Faktoren können im Laufe des Lebens ein an sich normal angelegtes Immunsystem schädigen und auf diese Weise einen erworbenen oder sekundären Immunmangel - auch infolge altersbedingter immunologischer Abbauprozesse - erzeugen.

Dabei spielen auch Steuerungsfaktoren, die vom zentralen Nervensystem ausgehen, eine bedeutende Rolle.

Die Möglichkeiten zur Behandlung von erworbenen zellulären Immundefekten durch die Schulmedizin sind auch heute immer noch eingeschränkt. Um so wichtiger wird es vor allem mit zunehmendem Alter, das in der heutigen Zeit immer stärker auch durch Umweltbelastungen (Luftschadstoffe, ionisierende Strahlung, Schwermetalle, Nitrate und Pestizide in Nahrungsmitteln) beanspruchte Immunsystem rechtzeitig zu stützen und zu stärken.

Unserem größten Organ, dem Darm, in dem ca. 60 Prozent unseres Immunsystems angesiedelt sind, kommt deshalb eine immense Bedeutung zu. Zur Darmsanierung gehören daher tägliches Abführen und Symbioselenkung. Das Ausleiten der Gifte und Toxine über den Darm kann z. B. durch Einläufe beschleunigt werden.

Ein weiterer Weg der Ausscheidung von Schadstoffen geht über die Nieren: wir sollen reichlich Mineralwasser trinken, pro Tag ca. 1,5 Liter. Das Ausleiten über die Haut beginnt mit aktivem Schwitzen, also bei Sport und körperlicher Arbeit. Moderater Ausdauersport stärkt bekanntlich die Immungesundheit.

Die Ernährung dürfte für uns Menschen der wichtigste Faktor sein, den wir selbst beeinflussen können und deshalb für die Immunstärkung unbedingt nutzen sollten. Eine zentrale Maßnahme in diesem Zusammenhang stellt die Gabe bestimmter Vitalstoffe, wie z.B. die Vitamine (Vitamin C, E, B6, ß-Carotin, Folsäure) und Spurenelemente (Eisen, Jod, Zink, Selen, Magnesium) dar, da diese an den komplexen immunologischen Vorgängen beteiligt sind und zur Stabilisierung von Abwehrfunktionen beitragen. Das sind chemisch gesehen völlig unterschiedliche, essentielle d.h. lebenswichtige Substanzen organischen Ursprungs. Unser Körper kann sie nicht selbst herstellen. Faktoren wie Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Gesundheitszustand, Alter und Umwelteinflüsse wirken sich u.U. so stark bedarfssteigernd aus, daß die optimale Deckung selbst mit vielseitiger Mischkost oft nicht gesichert ist. Eine unzureichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung kann dennoch lange Zeit unbemerkt bleiben, bevor sie sich schließlich in Form kardiovaskulärer, immunologischer oder rheumatischer Erkrankungen manifestiert.

Eine ausgewogene Ernährung - die eigentlich jeder ohne Einbuße an Lebensfreude und Lebensqualität langfristig praktizieren kann - hilft uns, das Abwehrsystem auf Dauer zu stabilisieren. Energiewert und Nährstoffgehalt der Nahrung müssen ausgewogen und auf den individuellen Bedarf abgestimmt sein. Als erster notwendiger Schritt dahin sind raffinierte Kohlenhydrate, d.h. Weißmehlprodukte und insbesondere Zucker in jeder Form von der Speisekarte zu streichen. Da auch tierische Eiweiße grundsätzlich zur Übersäuerung des Mesenchymgewebes führen, sollten Fleisch, Wurst, Eier und Quark bei der gesunden Ernährung weitestgehend gemieden werden. Auch Unter- wie Überernährung schwächen gleichermaßen das Immunsystem. Vor allem hochprozentiger Alkohol setzt bei zu häufigem Genuß die spezifische Immunabwehrfunktion der T-Lymphozyten herab und führt auch schnell zu einem Vitaminmangel. Einige Schmerzmittel, Antiphlogistika und vor allem Antibiotika hemmen ebenfalls Immunfunktionen. Bekanntlich ist Streß ein Mega-Immunkiller, weil unter Streß der Cortisolspiegel - der für die Immunzellen Gift ist – stark ansteigt. Auch die äußerst negative Rolle des Rauchens ist inzwischen unbestritten.

Die einfachste und billigste, aber auch sehr effektive Möglichkeit zur Steigerung der körpereigenen Abwehrleistung ist die seit langem erfolgreich praktizierte Verabreichung von Eigenblut. Man setzt Eigenblut ein, um die körpereigene Abwehr zu mobilisieren. Denn, das Eigenblut enthält einerseits höchst individuelle und umfangreiche Informationen über bereits durchgemachte Krankheiten, sowie andererseits Informationen darüber, mit welchen Stoffwechselprodukten, Toxinen und Antigenen der Organismus in der Vergangenheit nicht fertig geworden ist. Dabei wirkt die Eigenblutbehandlung auf das Immunsystem wie ein Reiz, der Erinnerungsbilder im Körper hervorruft, dadurch die Anregung des Immungedächtnisses auslöst und zur gewünschten Immunstimulation führt. Eine wesentliche Besserung der Abwehrleistung kann man nach den neuesten Erkenntnissen zusätzlich durch die Gaben von Echinaceapräparaten erreichen.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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