Androgenetisch bedingter Haarausfall
 

Etwa jeder zweite Mann und mindestens jede zehnte Frau erkranken bis zu ihrem 50. Lebensjahr an einer androgenetischen Alopezie (sog. männliche Glatze). Die fortschreitende Haarlichtung bedeutet für die meisten betroffenen Männer und Frauen mehr als lediglich ein kosmetisches Problem und führt oft neben anderen degenerativen Erscheinungen zunehmend zur Steigerung des subjektiven Leidensdrucks. Verminderte Attraktivität und höheres Alter können sowohl in sozialer als auch in beruflichen Hinsicht zu einer Beeinträchtigung führen. Deshalb ist inzwischen die Bedeutung einer rechtzeitigen und regelmäßigen Dauertherapie der androgenetischen Alopezie anerkannt.

Sowohl geschlechtsunabhängige, genetische Faktoren als auch die Androgene spielen bei der Ausbildung der androgenetischen Alopezie eine entscheidende Rolle. Aufgrund der genetischen Prägung weisen bestimmte Haarfollikel eine verstärkte Sensitivität gegenüber Androgenen auf. Die Wissenschaft hat inzwischen eindeutig auch den zentralen Realisationsfaktor des hormonell bedingten Haarausfalls ausgemacht. Beim Mann spielt hier eine unterschiedlich erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem 5-Dihydrotestosteron in den betroffenen Arealen eine entscheidende Rolle. Bei der Frau kommt zusätzlich die Möglichkeit einer ovariellen, adrenalen oder kombinierten Hyperandrogenämie in Frage. In der Postmenopause scheint der Abfall der Östrogene und damit das relative Überwiegen der Androgene ein häufiger Manifestationsfaktor der androgenetischen Alopezie zu sein.

Beim androgenetischen Haarausfall schädigt das aus Testosteron durch das Enzym 5-Reduktase gebildete biologisch aktive Dihydrotestosteron langfristig die Haarwurzeln. Es verursacht eine sog. Miniaturisierung des Haarfollikels und führt somit zu einer Verkürzung des Haarzyklus; die Haare fallen vorzeitig aus.

17alpha-Estradiol hat sich als ein sicheres und wirksames Prinzip für die langfristig angelegte, topische Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern und Frauen erwiesen. Es handelt sich bei diesem Inhibitor aber nicht um ein Hormon, da 17alpha-Estradiol aus stereochemischen Gründen keine Wechselwirkung mit dem Östrogenrezeptor aufnehmen kann. 17alpha-Estradiol setzt dort an, wo Haarausfall beginnt. Es hemmt das Enzym 5-Reduktase und verringert dadurch wesentlich die Konzentration des Dihydrotestosteron an der Haarwurzel. Damit vermindert sich der schädigende Einfluß auf die Haarfollikel. Die Progression der androgenetischen Alopezie wird kausal und effektiv gebremst.

Nach 1-jähriger Anwendung konnte eine Zunahme der wachsenden Haare um ca. 20 % und eine Abnahme der ausfallenden Haare um ca. 50 % beobachtet werden. Bei den Frauen trat der Behandlungserfolg früher ein, während er bei den Männern ausgeprägter war.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

zurück