Genitale Infektionen
 

Infektionen spielen in der täglichen gynäkologischen Praxis - auch wegen der Neigung zu Rezidiven bzw. Therapieresistenz - zunehmend eine Rolle. Besonders häufig sind junge Menschen betroffen, die eine unbeschwerte Einstellung zur Sexualität haben. Der männliche Partner verspürt in vielen Fällen keine Symptome und wird somit unbewußt zum Risiko.

Bei den genitalen Infektionen der Frau handelt es sich gewöhnlich um ansteckende Erkrankungen der Zervix, Vagina und der Vulva mit Fluor vaginalis, einem der häufigsten Symptome einer Frau. Denn die Diagnose Fluor vaginalis beinhaltet ein breites Krankheitsspektrum. Bei jüngeren Frauen sind es häufig spezifische Entzündungen wie bakterielle Vaginose, Candidose, Herpes, Condylomata accuminata, humane Papillomvirus-Infektion, Chlamydieninfektion oder heute eher sporadischer Trichomoniasis. Die klassischen Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe, Syphilis, Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum sind doch mittlerweile selten. Weiter kommen Staphylokokken oder Streptokokken, ferner Escherichia coli in Betracht. Die Infektion mit Mykoplasmen stellt wahrscheinlich nur eine Art der bakteriellen Vaginose dar.

Epidemiologie

Die bakterielle Vaginose wird inzwischen als die häufigste Ursache für jeden dritten vaginalen Infekt bei Fluorbeschwerden angesehen. Die Rückfallquote ist mit ca. 30 Prozent nach 3 Monaten trotz effektiver Therapie relativ hoch. Prävention ist bedingt möglich.

Eine Pilzbesiedelung im Genitalbereich ist bei über 15 Prozent aller gynäkologischen Patientinnen nachweisbar. Es ist die häufigste spezifische genitale Infektion. Gewöhnlich ist das intestinale Reservoir Ausgangspunkt der vaginalen Kolonisation mit Hefepilzen. Häufigster Erreger in über 80 Prozent der Erkrankungen ist Candida albicans.

Herpes genitalis ist wohl die häufigste sexuell übertragbare Infektionskrankheit mit einer Morbidität von 20 bis 40 Prozent in der Bevölkerung weltweit. Die Prävalenz hat in Amerika seit den späten 70er Jahren um 30 Prozent zugenommen. Im Rahmen einer Untersuchung (1988 bis 1994) zeigte sich, das jeder 5. im Alter über 12 Jahre Antikörper gegen das Virus hat. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehörte die Gesamtzahl der Sexualpartner. In Deutschland dürfte das Ausmaß der Infektion ähnlich hoch sein.

Papillomavirus-Infektion: Die Rate an HPV-Infektionen liegt bei 25 Prozent. Risikofaktoren: Alkoholkonsum, Anzahl der Sexualpartner und Koitusfrequenz korrelieren positiv mit der Inzidenz der HPV-Infektionen. Das Rauchen erweist sich als ein Schutzfaktor. Zur Zeit sind ca. 80 verschiedene Typen bekannt. HPV-Typen 16, 18, 45, 56, 61, 73, AE7 sind nicht nur mit einem erhöhten Risiko für CIN verbunden, sie werden auch bei Frauen mit Zervixkarzinom gefunden.

Mit Chlamydia trachomatis sind in Deutschland etwa 1,15 Millionen Einwohner infiziert. Und das bedeutet auch genau so viele Chlamydien-Ausscheider. Es ist davon auszugehen, daß Männer und Frauen jeweils zur Hälfte betroffen sind. Es wird mit einer jährlichen Inzidenz von 300.000 gerechnet. Die höchste Prävalenz bei Mann und Frau besteht zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr und liegt bei fünf bis zehn Prozent. Hochrisikokollektiv: Alter unter 25 Jahre, zwei oder mehr Sexualpartner innerhalb eines Jahres, Unverheiratete, Nulligravidae, Frauen mit Ektopie. Hinzu kommt, daß ca. 90 Prozent der Infektionen symptomlos verlaufen.

Trichomonaden nehmen mit Häufigkeit von 2 - 3 Prozent nicht die Bedeutung ein, die ihnen vielfach zugeschrieben wird.

Die Besiedlung der Vagina mit Vibrionen wird heute bereits bei jeder 20. Frau nachgewiesen, die wegen pathologischen Fluors in die gynäkologische Sprechstunde kommt.

Symptomatik

Nach Blutungsstörungen ist der genitale Ausfluß heute das zweithäufigste Beschwerdebild bei den Frauen in der gynäkologischen Praxis. Dabei handelt es sich um ein Symptom, nicht um eine Diagnose. Im Prinzip hat jede Frau einen genitalen Ausfluß. Bei geschlechtsreifen Frauen ist gleichwohl eine geruchlose, milchig-weiße, wäßrige Flüssigkeit mit pH-Wert nicht über 4,5 und Laktobazillenflora physiologisch, wobei Menge und Beschaffenheit individuell sind und innerhalb des Menstruationszyklus schwanken.

Eine nicht infektiöse Ätiologie des Fluor genitalis kann auf Ektopie, Polyposis, Fremdkörper, Spermizide, Neoplasie, Traumatisierung, Allergie, Hypersekretion oder Hypertranssudation beruhen. Wiederkehrende Ausflußbeschwerden ohne Erregernachweis können außerdem eine psychosomatische Ursache haben.

Etwa 80 Prozent aller Fälle von Fluor genitalis sind infektiöser Natur.

Prädisponierende Faktoren wie falsche Intimhygiene, Epithelläsionen, Promiskuität und variablere Sexualpraktiken, Einnahme von Ovulationshemmern, Antibiotika und Zytostatika, Radiatio, Schwangerschaft oder Allgemeinerkrankungen mit resultierender herabgesetzter körperlicher Abwehr begünstigen die Entzündung.

Unter den vielen Ursachen sind auch eine Bartholinitis oder Wurmbefall möglich.

Leitsymptome einer genitalen Infektion sind übelriechender Fluor, Rötung und Schwellung der Schleimhaut, Fissuren, Juckreiz, Brennen, bei Herpes überwiegend mit Bläschenbildung und Ulzerationen sowie begleitende Miktionsschmerzen und Dyspareunie.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 
 

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