Libidostörungen
 

Wohl die häufigste funktionelle Sexualstörung bei Frauen ist die Libidostörung. Hinter jeder psychogenen sexuellen Funktionsstörung - und die Libidostörung ist in aller Regel psychogen - verbirgt sich ein Kommunikations- und somit ein Partnerschaftsproblem. Erschwerend kommt hinzu, daß das weibliche Selbstbewußtsein weit weniger als das männliche vom Vollzug des Sexualaktes samt Orgasmus beeinflußt wird. Sexualität ist die Voraussetzung zum Glücklichsein; unsere Gesellschaft wäre friedlicher, wenn die Menschen sexuell glücklich, wenn sie im Schlafzimmer ehrlicher wären.

Die Libido, das Lustgefühl, im engeren Sinne das Verlangen nach Lustgewinn durch sexuelle Beziehungen, ist eine tiefwurzelnde Empfindung und ein Grundbedürfnis des Menschen. Sie ist ein wesentlicher Anteil des Lustgewinns und des Selbstgefühls, die der Mensch aus Beziehungen in der Regel zur Person des anderen Geschlechts findet. Libido steht schließlich auch im Zusammenhang mit Neugier, Abenteuerlust, dem Wunsch sich auszuleben, Aggression und Unterwerfungswünschen, dem Bestreben, menschliche Erfahrungen zu sammeln und dem Wunsch soziale Kontakte besonderer Art zu knüpfen.

Selbstverständlich kann bei Frauen mittleren oder höheren Alters in einer Beziehung, die schon längere Zeit besteht, die Gewöhnung und das Fehlen des Reizes des Neuen sowie eheliche Routine für die Libido und überhaupt im Liebesleben eine negative Rolle spielen. Auch unbewußte Abwehr und Ängste bei konsumierenden Erkrankungen sind nicht ausgeschlossen. Naturgemäß sind auch das Verhalten des Partners und viele äußere Lebensumstände mit entscheidend für die Libido der Partnerin. Normalität kann man hier nicht verordnen, nur ermöglichen; man kann ihr das Feld bereiten. Beschwerden beim Verkehr verursacht durch Schleimhautveränderungen oder eine schlechte Durchblutung des Beckenbereichs, allgemeine Eheprobleme wie Mißverständnisse, Streit, Verständnislosigkeit, fehlende Zärtlichkeit, mangelndes Vorspiel oder als anomal empfundene Praktiken können die Libido dämpfen. Besonders problematisch als "Lusttöter" sind Verletzungen der Beckenbodenmuskulatur nach schweren Geburten oder Operationen.

Zu einem mehr oder weniger natürlichen Verlust der Libido bei 30 bis 50 Prozent der Frauen kommt es zur Zeit des Klimakteriums unter Hormonmangel. Nicht ganz selten ist aber dieses Ereignis auch ein willkommener Anlaß, eine nicht mehr gewünschte Sexualität zu beenden. Östrogene üben jedoch keinen direkten Effekt auf die Libido aus.

Es gibt gleichwohl eine Reihe von Medikamenten, die die Libido negativ beeinflussen. Hierzu gehören Antihypertonika, einige Lipidsenker, Sedativa, Tranquillanzien, Psychopharmaka, Neuroleptika und manche Antidepressiva sowie Gestagentherapie und hormonale Kontrazeption.

Die Vielfalt möglicher Ursachen deutet bereits an, wie schwierig und mit Bedacht umsichtig Diagnose und Therapie hier zu handhaben sind. Zu oft hat sich bereits ein Circulus vitiosus entwickelt, der durch dramatische Erlebnisse oder festgefahrene Komplexe auf Grund von Versagenserlebnissen sehr schwer aufzulösen sein wird.

 

© 2000, Dr. med. Laitenberger

 

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