Testosteron

Testosteron Frauen 200 - 900 pg/ml Männer 3000 - 12.000 pg/ml
Östradiol   Frauen   120 - 160 pg/ml   Männer   50 - 100 pg/ml

 

 

Während Östrogene, die weiblichen Steroidhormone, verbreitet Anwendung in der Medizin finden und Risiko und Nutzen ihrer Einnahme eingehend untersucht worden sind, weiß man wesentlich weniger über die entsprechenden männlichen Hormone.

Die physiologische Bedeutung der Hoden, der wichtigsten Produktionsstätte von Androgenen bei Männer, für Körperbau und Verhalten wurde bereits in der Antike intuitiv erkannt. Im antiken Griechenland gab Aristoteles dann bereits in seinen Schriften eine ziemlich zutreffende Einschätzung der Funktion der Hoden. Im 17. Und 18. Jahrhundert brachten Wissenschaftler Vorhandensein oder fehlen der Hoden mit dem Vorhandensein oder fehlen von männlichen phänotypischen Merkmalen in Zusammenhang. Das Prinzip der Hormonwirkung wurde allerdings erst 1849 von dem französischen Physiologen Berthold nachgewiesen.

Androgene sind Steroidhormone aus 19 Kohlenstoffatomen, die bei Männer bewirken, dass sich die Reproduktionsorgane entwickeln, die sekundären Geschlechtsmerkmale und die reproduktiven Funktionen ausbilden und erhalten bleiben. Testosteron ist das endogene Androgen, das in größter Menge vorliegt. Die Nebennierenrinde produziert ebenfalls eine Reihe von Androgenen, am bekanntesten sind Androstendion und Dihydroepiandrosteron (DHEA). Die Androgene aus der NNR haben jedoch eine wesentlich schwächere Wirkung als Testosteron und spielen normalerweise für die Physiologie des Mannes eine untergeordnete Rolle.

Schon ab der achten Schwangerschaftswoche beginnt im Körper des männlichen Fötus die Produktion von Testosteron, dem männlichen Geschlechtshormon. Nach der Geburt hat das Baby bereits genauso viel Testosteron im Blut wie ein 12-jähriger Junge. Ein paar Monate später sinkt der Testosteronspiegel um etwa 80 Prozent ab und pendelt sich während der Kleinkindphase auf diesem niedrigen Niveau ein. Mit etwa vier Jahren verdoppelt sich der Testosteronspiegel: der Junge wird wilder, hat Spaß am Kämpfen und einen ungeheuren Bewegungsdrang.


Die Leydig-Zellen eines erwachsenen Mannes synthesieren pro Tag etwa 6 mg Testosteron. Ausgangs-Substanz der Steroid-Hormon-Synthese in der Hoden ist das Cholesterin. Es wird über die Zwischensubstanzen Prednenolon und Progesteron schließlich zu Testosteron umgesezt. Die Hoden geben nur wenig Testosteron in das Blut ab. Testosteron wird hauptsächlich in der Leber, daneben aber auch in der Prostata und der Haut abgebaut.


Die biologische Wirkung Testosterons ist auf die Förderung der Entwicklung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale gerichtet. Androgene bewirken die pränatale Geschlechtsdifferenzierung und die Reifung der männlichen Genitalorgane in der Pubertät. Das Hormon lässt bestimmte Teile des Gehirns besonders rasch, andere dagegen langsamer wachsen. Das Testosteron beeinflusst Stimmungen und Energiehaushalt. Der Mann ist entscheidend von seinen Sexualhormonen geprägt und gesteuert. Das betrifft nahezu alle Organe und auch die Psyche. Die sehr hohen Testosteronspiegel direkt nach der Geburt sind dafür verantwortlich, dass bestimmte Psycho-Eigenschaften stärker ausgebildet werden. Dazu gehören das räumliche Vorstellungsvermögen, außerdem das Verständnis für Zahlen und Mathematik. Testosteron macht musikalisch.

Testosteron macht potent und fördert die Libido, also die Lust auf Sex, fördert sexuelle Phantasien. Es regt die Produktion von Erythropoetin in der Niere an, eines Faktors, der die Bildung roter Blutkörperchen fördert. In allgemeiner physiologischer Hinsicht erhöhen Androgene die Stickstoffspeicherung, die fettfreie Körpermasse, die Knochenmasse und das Körpergewicht, bauen Muskel auf, vermindern Fett. Die anabolen Eigenschaften dieser Hormone, also Stickstoffspeicherung, Muskel- und Knochenaufbau, können nicht von ihren androgenen Wirkungen getrennt werden. Die Knochenmasse wird bei Männern vom Androgenspiegel beeinflußt und nimmt ab etwa dem 25.Lebensjahr linear ab, und Hypogonadismus (Unterentwicklung und verminderte Funktion der Geschlechtsorgane) ist, wie man weiß, ein bedeutender Risikofaktor für Osteoporose bei Männern.

 

© 2001, Dr. med. Laitenberger