Erektionsstörungen
 

Ein harmonisches Sexualleben in der Partnerschaft ist für die meisten Paare ein zentrales Thema. Sex macht Spaß, schafft Nähe, verbindet, entspannt, schafft Raum für Austausch und Zärtlichkeit. Und darauf will niemand verzichten. Weder er noch sie. Viele große Studien belegen: Jede dritte Frau und jeden vierten Mann in Deutschland plagen sexuelle Probleme. Bis zu sechs Millionen Männer in Deutschland leiden unter Erektionsstörungen.

Nur frisch Verliebte sind allzeit bereit für die schönste Sache der Welt. Im Alltag schwankt gleichwohl die Lust auf Sex. Denn Potenz ist nicht nur – aber auch – eine Frage des Alters. Unter Impotenz, medizinisch korrekt als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet, leiden mehr Männer als angenommen. Unter einer Erektionsstörung versteht man die Schwierigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen und aufrecht zu erhalten. Es geht hier um ein Leiden, das kein Mann kennen will. Viele Männer scheuen sich, Potenzschwierigkeiten zu thematisieren. Dessenungeachtet ist unter den 40- bis 49-Jährigen fast jeder zehnte Mann impotent, bei den zehn Jahre älteren ist es jeder fünfte, und im Alter von 60 bis 69 Jahren trifft es jeden dritten. Erektionsstörungen sind in diesem Lebensabschnitt vor allem deswegen stärker verbreitet, weil sich Risikofaktoren und bis dato nicht erkannte Erkrankungen häufen, die solche Potenzprobleme fördern. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Nervenleiden, Herzerkrankungen, Operationen im Beckenbereich sowie Störungen des Fett- oder Hormonstoffwechsels. Auch medikamentösbedingte Störungen sind nicht selten.

Über sexuelle Probleme offen mit dem Partner zu sprechen, fällt oft nicht leicht, doch es lohnt sich. Denn nicht nur der Mann leidet, auch die Partnerin ist direkt wie indirekt davon betroffen. Der Druck, der auf den Frauen lastet, ist immens. Sie fühlen sich hilflos, zurückgewiesen, tief gekränkt. Jeder Liebesakt wird zum Kraftakt, um ja keinen Schiffbruch zu erleiden – auch für sie. Die Folgen eines unerfüllten Liebeslebens sind oft weitreichend. Erektionsstörungen können zum einen das Selbstvertrauen des Mannes stark beeinträchtigen, zum anderen kommt es nicht selten zu Verstimmungen, wenn einer der beiden Partner aus Vermeidungsstrategie den Rückzug antritt. Oft fühlt sich auch die Frau fälschlicherweise ungeliebt oder nicht mehr attraktiv genug.

Ob ein Kuss, ob zärtliches Streicheln sofort die Sinne weckt oder uns kalt lässt, hängt unter anderem von den Hormonen ab. Hormone sind die Basis für ein erfülltes Liebesleben. Vom Wort Hormon hat heute jeder eine - manchmal etwas unklare - Vorstellung. Es kommt aus dem Griechischen, von hormao = ich rege an, ich bin Bote - man übersetzt es mit: Botenstoff, Triebstoff, Reizstoff. Hormone (aus dem Griechischen: „in Bewegung setzen, antreiben, anregen“) sind Botenstoffe, die viele lebenswichtige Abläufe in unserem Körper steuern. Sie sollen ausbalancieren, was die Natur langsam weniger werden läßt – die körpereigene Hormone.

Mit zunehmendem Lebensalter nehmen Libido und Potenz ab. Nur selten ist bei Männer der Androgenmangel alleinige Ursache einer erektilen Dysfunktion. Entsprechend ist eine Testosteron-Substitution zur Korrektur einer erektilen Dysfunktion meist ungeeignet! Diese kann nur den Libidoverlust bessern. Nachteilig können durch Testosteron Fettstoffwechsel und Prostata beeinflusst werden. Nach dem heutigen Kenntnisstand scheinen Androgene für die klinische Ausprägung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) und des Prostatakarzinoms eine bedeutsame Rolle zu spielen. Die Wachstumsabhängigkeit bereits manifest gewordener Prostatakarzinome von Testosteron ist dokumentiert.

Die enorm gestiegene Lebenserwartung setzt der Potenz natürliche Grenzen. Viele der gesicherten kardiovaskulären Risikofaktoren wie z.B. Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und metabolisches Syndrom sind gleichzeitig mit einem erhöhten Risiko für eine erektile Dysfunktion vergesellschaftet. Etwa jeder zweite bis dritte Patient wird impotent. Die erektile Dysfunktion wird - weil der Zusammenhang so eindeutig ist - mittlerweile als frühes Warnzeichen gedeutet. Die Schädigung der Blutgefäße durch Atherosklerose führt zu einer Störung ihrer strukturellen und funktionellen Integrität. Wenn bei Patienten mit erektilen Dysfunktion Gefäßveränderungen festgestellt werden, droht in vier bis sechs Jahren ein Herzinfarkt. Männer, die dagegen auch im Alter sexuell aktiv bleiben, weisen ein erheblich niedrigeres Mortalitätsrisiko als sexuell wenig aktive Vergleichspersonen auf.

Die stärksten Gefäßkrämpfe, also Durchblutungsstörungen, werden durch Nikotin verursacht. Bereits drei Züge an einer Zigarette verengen die Blutgefäße um mehr als 30 Prozent. Kein Wunder also, dass Raucher nicht nur häufiger impotent werden, sondern langfristig auch ihre Hirnzellen abschalten. Nicht weniger bedeutsam für gute Potenz ist die Einschränkung des Alkoholkonsums – Alkohol induziert die Bildung vom geschlechchtshormonbildenden Globulin (SHBG); zuviel SHBG bindet die Sexualhormone, die dann nicht wirken können. Das freie - biologisch wirksame - Testosteron macht bei manchen Männern bis zu 90 Prozent, bei anderen jedoch nur 10 Prozent des gesamten Testosterons aus.

Etwa sechs Millionen Männer in Deutschland scheinen von diesem Problem betroffen zu sein. Sie leiden darunter, keine ausreichende und lang anhaltende Erektion für eine befriedigende Sexualität zu bekommen. Obwohl die erektile Dysfunktion ein Krankheitsbild ist, das viele Ursachen haben kann, trauen sich 90 Prozent der Betroffenen noch immer nicht, zum Arzt zu gehen. Meist handelt es sich jedoch um eine organische Störung, die sich durch Willenskraft allein nicht beheben lässt. Das A und O für gute Erektionen sind gesunde Gefäße. Vaskuläre oder neurologische Ursachen sind deshalb bei
Störungen der Sexualfunktion im fortgeschrittenen Lebensalter ätiologisch führend. Diese führen zu atherosklerotischen Gefäßveränderungen mit hypoxisch bedingter Schädigung. Scheuen Sie also nicht den Gang zum Arzt, wenn Sie wieder Spaß an der Liebe haben möchten. Jedem Patient kann individuell, ganzheitlich und auf Grund seines Risikoprofils und seiner Verursachung der Erektionsstörung geholfen werden.

Heute gibt es für Betroffene medikamentöse Unterstützung. Es liegen bereits langjährige Erfahrungen mit den gut wirksamen Wirkstoffen vor. Diese verschreibungspflichtigen Medikamente (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) stellen die natürliche Reaktionsfähigkeit auf die sexuelle Stimulation wieder her und fördern den Bluteinstrom in die Schwellkörper. Sie wirken aber nur, wenn der Mann bereits Lust auf Sex hat. Den Trieb auslösen können sie nicht, sie ermöglichen lediglich eine dauerhafte Erektion. Sie wirken den Bedürfnissen entsprechend relativ schnell und die Wirkung hält bis zu 36 Stunden an. Dadurch wurde die Behandlung von erektilen Dysfunktion revolutioniert. Und dennoch: Potenzmittel sind keine Smarties. Die Präparatekombination mit bestimmten Herzmedikamenten, die Nitrate enthalten, kann tödlich sein.

Wenn man auf die Demografie unserer Gesellschaft schaut, wird schnell deutlich, dass Prävention immer wichtiger wird für die Lebensqualität älterer Menschen. Jeder Mann hat im Schlaf drei bis fünf kurze Erektionen. Während dieser Zeit regeneriert sich das Organ und Schäden an den Gefäßen werden repariert. Ab dem 35. Lebensjahr nehmen Zeit und Dauer der nächtlichen Erektionen ab. So wird zu wenig repariert. Dem kann der Mann mit Erektionen vorbeugen. Um der schleichenden Impotenz vorzubeugen ist es sinnvoll für drei Monate im Jahr einen PDE-5-Hemmer in geringer Dosierung einzunehmen.

Nicht nur das Joggen, auch Sex hält jung und fit. Regelmäßige erotische Stunden können Hormonpräparate unnötig machen. Sex trainiert Herz und Kreislauf optimal, regt den Stoffwechsel an und baut Muskeln auf. Für Spaß am Sex braucht man Zeit. Gönnen Sie sich jeden Monat ein Wochenende zu zweit, frei von allen Verpflichtungen.

Viele Potenzmittel versprechen Hilfe. Teils schillernd, teils schaurig liest sich die Geschichte der Aphrodisiaka. Jahrtausendelang haben sich die Menschen unbefangen der liebesanregenden Mittel der Natur bedient. Die Aphrodisiaka versetzen den Körper in einen Zustand, der physiologisch der sexuellen Erregung gleicht, und erzeugen damit das Gefühl erhöhter Begierde. Nicht Zauberei, sondern schlichte Förderung der Durchblutung und Steigerung der Blutzirkulation macht die sinnenwekkende Wirkung der meisten Lusterreger aus. In der Regel jedoch ist der Dreiklang von Körper, Geist und Seele nicht teilbar. Offenbar gehorcht die Blutfüllung der Schwellkörper nicht immer der pharmakologischen Gefäßerweiterung. Gegen die lusttötende Wirkung von Kummer und Sorgen, beruflichem Stress, Existenzproblemen und Beziehungsstörungen ist noch kein Kraut gewachsen.

 

© 2004, Dr. med. Laitenberger

 
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